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Kurzcharakteristik
Die Sprache des Stückes biedert sich dem Jugendjargon nicht an, sondern enthält poetische und intellektuell anmutende Passagen. Natürlich kommen auch four-letter-words vor, besonders häufig aber ist das Wort „fake“ - als Gegensatz zu „real“. Das Wort ‚fake‘ oder sogar ‚superfake‘ bezeichnet programmatisch alles, was die Jugendlich vom Leben abhält, nichts ist für sie ‚real‘ im Sinne von intensiv, authentisch, welthaltig. Die bisherige Welt der Protagonisten ist geprägt durch die virtuellen Medien: Internet, Film, Musik, Video - eine aus der Wirklichkeit abgeleitete zweite Wirklichkeit.
Das Stück arbeitet sehr bedeutungsvoll mit symbolischen Ebenen: Die erste ist schon einmal die Namensgebung (die Protagonisten heißen Julie und August, die Handlung aber spielt dagegen im kältesten Norden in Eis und Schnee).
Der Chatroom wird quasi als Vakuum, Dunkelkammer oder als leerer Raum gestaltet, in dem sich Stimmen finden und abtasten.
Norwegen ist wiederum Natur pur: Kälte, Schnee, weite Aussicht und vor allem Polarlicht, ein Naturereignis.
Die Protagonisten versuchen diese Realität in ihre virtuelle Welt zu zwingen, indem sie mit der Videokamera festzuhalten versuchen, was passiert: Die Polarlichter, ihre letzten Worte, ihre Liebe.
Dieser Versuch erweist sich schließlich als unbefriedigend: Die Abschiedsvorstellung misslingt, der große Abgang lässt sich nicht inszenieren, weil letzten Endes die Gründe für den Selbstmord fehlen und weil sich etwas ganz Reales, noch nie Dagewesenes ereignet hat: Naturerfahrung und Liebe.
Darum auch werden die Datenträger, die Videokassetten, die Symbole der zweiten, virtuellen Realität, stellvertretend umgebracht, die jungen Leute werfen nicht ihr Leben weg, sondern die Datenträger, denen sie sich bisher unterworfen haben.
Rezeption und Auszeichnungen
norway.today war in den Jahren 2003 und 2004 das meistinszenierte Stück auf deutschen Bühnen, es wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und weltweit bereits an über 100 Theatern gespielt. Die oftmals ausverkauften Aufführungen haben vor allem ein vorwiegend jugendliches Publikum in die Zuschauerränge gebracht.
2001 erhielt das Stück im Rahmen der Mülheimer Theatertage das Publikumsvotum. Bauersima wurde in der Kritiker-umfrage der Zeitschrift Theater heute zum deutschen Nachwuchsautor des Jahres 2001 gewählt und mit dem Berner Buchpreis ausgezeichnet.