Suizidalität im Jugendalter:

Kinder unter 10 Jahren entwickeln zwar suizidale Gedanken, setzen diese aber nur sehr selten in die Tat um. Im Jugendalter kommt es jedoch zu einem drastischen Anstieg von Suizidversuchen (Parasuizide) und Suiziden. Parasuizide treten am häufigsten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und sind zudem bei Frauen 2-3mal häufiger.

Suizidalität resultiert aus dem Gefühl, den Belastungen des Lebens nicht gewachsen zu sein. Dabei handelt es sich in der Regel um Fehleinschätzungen, die darauf zurückführbar sind, dass belastende Situationen überbewertet und die eigenen Möglichkeiten unterbewertet werden, und dass aus diesem Missverhältnis eine vermeintliche Aussichtslosigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit entsteht.

Im Jugendalter sind negative Zukunftserwartungen und eine generelle Angst, dem Leben nicht gewachsen zu sein, besonders ausgeprägt. Zu den allgemeinen psychischen Risikofaktoren gehören niedriges Selbstwertgefühl, Ängstlichkeit, Depressivität, Gehemmtheit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Affektlabilität, posttraumatische Zustände und nahezu alle schweren psychiatrischen Störungen.

Die mildeste Manifestation der Suizidalität sind suizidale Stimmungen und Gedanken. Wenn suizidale Stimmungen und Gedanken länger andauern, sich von belastenden Ereignissen lösen und sich verselbständigen, sich immer wieder aufdrängen und keine Distanzierung gelingt, wenn sie zu konkreten Suizidplanungen führen oder wenn sie im Kontext mit schweren psychischen Störungen auftreten, stellen sie jedoch eine ernste Bedrohung dar.

Suizidale Handlungen im näheren Umfeld der Jugendlichen haben oft direkte ansteckende Auswirkungen (Suizide von Familienmitgliedern, engen Freunden und Verwandten sowie Idolen der Jugendkultur wie Musikern und Schauspielern = "Werther-Effekt"). Voraussetzung ist allerdings, dass sich die Jugendlich bereits in einer präsuizidalen Verfassung befinden.

Ein Hauptmerkmal der meisten Parasuizide und Suizide ist ihr appellativer Charakter und zielen an sich auf Veränderung und Verbesserung, verfehlen ihren eigentlichen Zweck aber.

Alle suizidalen Äusserungen bei Jugendlichen müssen deshalb in ihrer Signalwirkung ernst genommen werden.

Wer den Verdacht hat, ein Kind sei depressiv, sollte unbedingt kompetente Hilfe bei Familienberatungsstellen oder Kinderpsychiatern suchen. Depressionen sind ernst zu nehmende psychische Erkrankungen, denn auch Kinder und Jugendliche sind im Fall einer schweren Depression selbstmordgefährdet.

Suizid ist in Österreich die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen. Dabei findet sich in der Gruppe der 25-Jährigen die höchste Rate: 20 Prozent der Mädchen und zehn Prozent der Buben haben Erfahrungen mit suizidalen Handlungen oder an Selbstmord gedacht.

Im Jahr 2006 fanden sich die höchsten Suizidraten in der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich, die niedrigsten im Burgenland, Wien und Vorarlberg. Am stärksten nehmen die Raten seit 1986 in Wien, Niederösterreich und der Steiermark ab. Wien hat nach der Aussage von Christian Haring (Österreichischen Gesellschaft für Suizidpräventio) eine jahrzehntelange Tradition mit suizidaler Forschung.


Warum sich junge Menschen das Leben nehmen:

1) Wohlstand: Mit steigendem Wohlstand nimmt die Zahl jener zu, die sich freiwillig das Leben nehmen. Das Wort „Freude“ ist für diese Menschen ein Fremdwort, da sie sich auf nichts mehr freuen können, weil sie schon alles haben.

2) Liebeskummer: Jugendliche fühlen sich zu Hause nicht wohl, auf Grund der fehlenden Geborgenheit und Liebe der Eltern. Diese fehlenden Eigenschaften der Eltern versuchen sie bei Freunden zu finden. Wenn auch dort diese Eigenschaften fehlen, fallen sie in tiefe Resignation beziehungsweise fühlen sie sich auf das Abschiebgleis geschoben. Dies wiederum führt zu Panikhandlungen, deren einziger Ausweg der Selbstmord ist. Aber Suizid kann auch ein Racheakt sein, um das schlechte Gewissen und das Schuldgefühl beim Partner zu verursachen.

3) Nachahmung: In der Pubertät werden Personen aus nächster Umgebung nachgeahmt (Eltern, Freunde, Schauspieler) bis dieses Nachahmen zum Selbstmord führt. 1981 gab es im Fernsehen die Serie „Tod eines Schülers“, in der sich ein Schüler vor den Zug warf. Daraufhin stieg die Selbstmord-Rate mit der Methode sich vor den Zug zu werfen.

4) Depression: 16%, derjenigen, die sich umgebracht haben, litten unter krankhaften Depressionen. Sachen, die ihnen früher Spaß gemacht haben, finden die Depressiven uninteressant und somit auch ihr ganzes Leben. Der einzige Ausweg scheint der Selbstmord, denn schlimmer als das Leben kann er nicht sein. Aber es gibt auch die „lachende“ Depression. Bei dieser Art verstellt sich der Mensch so sehr, dass seine Umgebung gar nicht merkt, was eigentlich in ihm vorgeht.

5) Kindesmisshandlung: Kinder und Jugendliche, die misshandelt werden, wollen nicht über dieses Thema sprechen und sie glauben, dass Selbstmord die beste Lösung sei.

 
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